1.1.1 Befriedigung
Kontext: Konventionell herrscht die Meinung vor, man erreiche Friede mit Kompromissen; die Geschichte sollte uns eines Besseren belehrt haben! Doch ungeachtet davon meinte die Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 vollmundig nach Wettbewerbschancen für Deutschland suchend: "Genau wie die soziale Marktwirtschaft es geschafft hat, Kapital und Arbeit zu versöhnen, so muss die Marktwirtschaft versuchen, in der ökologischen Dimension die Spannung zwischen nachhaltiger Wirtschaft und kurzfristigem ökonomischem Erfolg zu überbrücken."
In Wirklichkeit gibt es jedoch nur Frieden vor unerwünschten Konsequenzen im Einklang mit den relevanten Wirklichkeiten; Gott würfelt nicht und lässt sich nicht beliebig reden! Das dem, in der Technik so ist, wissen wir im Prinzip, auch wenn wir es oft besser wissen wollen. Das Gleiche gilt im Umgang mit Humansystemen; kein Friede ohne Wirklichkeitsbezug, weil ohne ihn Menschen nicht liebesfähig und vom Anschein her auch nicht liebeswürdig sind. Dafür, also gegen die Wirklichkeitsordnung des Schöpfers, gibt es die folgenden Ausreden und deren Überwindung mit umfassenderen Ausreden um den pre-trans-trappenden Zeitgeist, an Gottes Stelle manipulierbar, zu beschwören:
  • Meinungen ohne Bezug zum Gemeinten, bis hin zur Bibel bloss vom Buchstaben her ohne Bezug zu Jesus Christus, machen keinen Sinn, sind wie die Bibel es sagt, toter Buchstabe.
  • Menschenrechte sollen die Mindestnorm darstellen, welche die Würde des Menschen als Gottes Geschöpf wahrt. Dafür sind sie notwendig, aber nicht hinreichend; dazu bedarf es des reellen Menschen selbst, der auf seine Lebenswirklichkeit eingeht. Was wäre, wenn die Natur nicht mehr auf die Naturgesetze einginge, und auch nur argumentieren würde?
  • Der Staat hat von Religionen getrennt, nur die Menschenrechte und andere unveräusserlichen, allgemeinen Rechte personen-neutral zu wahren. Nur der reelle Mensch vermag den reellen Menschen, sich und seine Mitmenschen, einaner reell, nicht einfach unverbindlich abstrakt zu tolerieren, zu achten und zu schützen. Weder der Staat noch Religionen können solche Rechte, von versteckten Absichten losgelöst, definieren und gewähren. Dem Staat obliegt es bloss, das Zusammenleben aller von ihm Betroffenen allgemein zu regeln, und der Religion dafür das Verhältnis des "Menschen" zu Gott von der Form her zu klären.
  • Für Hans Küng gibt es kein Weltfriede ohne Religionsfriede. Keine Religion kann sich davon freisprechen, dass in ihrem Namen Gewalt ausgeübt wurde oder wird. Die dadurch entstandene Erblast erledigt sich nicht von selbst, schon gar nicht ohne den gemeinsamen Willen, zur historischen Wahrheit zu stehen. Das wiederum ist nur in der persönlichen Wahrheit der Akteure möglich, nur diese führt zum Gegenteil der Gewalt, Lebenserfüllung. Dabei gilt es zu bedenken, dass man Niemanden zum Glauben zwingen kann, genauso wie man nicht einmal sich selbst einen Glauben aufzwingen lassen sollte. Hier liegt des Menschen Kreuz, das nur mit Liebe getragen werden kann, was wiederum nur im Wirklichkeitsbezug möglich ist.
  • Der Glaube kann, wie Papst Benedikt immer wieder hervorhebt, nicht auf die Vernunft des Menschen verzichten, aber, und das sagt er nicht, schon gar nicht auf persönlich relevante Einsichten. Gegen die Vorstellung eines absolut freien, aber gerade in seiner Freiheit willkürlich handelnden Gotte richtet sich ein guter Teil der philosophischen Religionskritik zu Beginn der Neuzeit - als verdeckte Selbstkritik! Mittlerweile hat man daraus die postnormale Ideologie gemacht. Wie sollte der Mensch bestehen können, wenn er sich im Vollzug des Glaubens der Willkür Gottes ausliefern muss? Eine Religion, bzw. eine Ideologie die das, bzw. Beliebigkeit von ihm fordert, ist menschenunwürdig. Wie aber steht es mit der Religion gegenüber dem persönlich relevanten Wirklichkeitsbezug? Da tun sich fast alle Religionen trotz dem wunderbaren Vorbild Jesus schwer; man will eben doch Macht über den "Menschen" und dafür darf es keine allzu reellen Menschen geben. Darum gingen die Propheten in die Wüste, und Niklaus von der Flüe ins abgeschiedene Flüeli-Ranft. Sie sehen, auch mit der selbst vom Papst beschworenen Versöhnung von Glaube und Vernunft, ist es ohne Bezug zur individuellen Lebenswirklichkeit nicht getan, damit und dafür ging ja Jesus ans Kreuz, nicht für die Kirchenmacht.
  • Wer fordert, bzw. sich damit herausredet, dass nicht nur Glaube und Vernunft untrennbar zusammengehören, sondern Glaube, Vernunft und Freiheit, schüttet das Kind vor dem Himmelstor mit dem Bade der Beliebigkeit aus! Damit schafft man nur die Not, die man dann mit der Durchsetzung einer politischen Herrschaft zu wenden vorgibt; als Problem also, das sich als Lösung ausgibt. Dagegen erregt man dann den politischen Widerstand, bzw. den Terror, den man dann ja nur wieder als Teufel mit Belzebub auszutreiben versucht und angeblich Gutes meinend, noch mehr Böses schafft.
  • Er brauche, so die Gutmenschen, die auch nichts mit der Wirklichkeit am Hut haben, Geduld und Vertrauen, langen Atem und offene Herzen. Um des Friedens willen gebe es keine Alternative dazu, auch nicht um des Glaubens willen. Damit ist wohl die Wirklichkeit endgültig weg vom Tisch des Zeitgeistes...
  • Damit könnte man leicht meinen, wir seien zum Dialog verdammt. Doch das wäre nicht einmal die halbe Wahrheit. Wir sind es zwar zuerst und vor allem uns selbst und unserem Glauben schuldig, trotz aller bedrückenden Erfahrungen, miteinander zu sprechen; aber mit Kompetenz über das Verstehen, Vorstellungen zur Umsetzung der Wirklichkeit auszutauschen. Das ist es, was Gott uns zumutet! Diesen Gott nennen christliche und islamische Philosophen bloss in ihren Begriffsgötzen den "Gerechten" und "Barmherzigen", nicht den Schöpfer - und stiften ihr Zielpublikum damit zu Kreuzzügen und Heiligen Kriegen an - eben als ultimative Waffe gegen das Aufkommen des Wirklichkeitsbezuges unter reellen Menschen...
Weiter führende Lektion: Es gibt keinen Frieden, ohne dass eine kritische Anzahl Menschen entsprechende Prinzipien einhält. Dies auch wenn Intellektuelle, gewissen-  und damit aus Prinzip prinzipienlos andere Meinungen zu Besten geben, und sich dafür mit entsprechenden Forderungen wortgewaltig fördern und feiern lassen...